Sportwissenschaftler sieht Nationalmannschaft für Musiala vorerst erledigt

Sportwissenschaftler: "Nationalmannschaft für Musiala erst einmal erledigt"

Sorge um Jamal Musiala nach neurologischen Absencen

Jamal Musiala, der Offensivspieler des FC Bayern, leidet unter neurologischen Absencen. Diese Erkrankung wurde öffentlich, nachdem Musiala am Dienstagabend in einem Testspiel des FC Bayern gegen den 1. FC Heidenheim zusammenbrach. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich bereits drei Tage zuvor in einem Freundschaftsspiel gegen RB Leipzig. Nach kurzer Behandlung auf dem Spielfeld konnte Musiala eigenständig das Feld verlassen und machte seine Erkrankung anschließend in sozialen Netzwerken öffentlich. Er beschrieb die Absencen als temporäre, auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführende Erscheinungen, die gut behandelbar seien.

Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse äußerte sich besorgt über die Situation von Musiala und sieht sogar dessen weitere Karriere in Gefahr, sollte keine optimale psychologische Unterstützung gewährleistet sein. Froböse betonte, dass er Einsätze in der DFB-Auswahl aktuell für nicht vertretbar hält und davon ausgeht, dass das Thema Nationalmannschaft für Musiala vorerst erledigt sei. Er sprach sich dafür aus, den Spieler zu schützen und eine Neubewertung der Situation erst in Betracht zu ziehen, wenn Musiala medikamentös stabil eingestellt ist.

Jamal Musiala leidet unter neurologischen Absencen.© IMAGO/Sven Simon/IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Jamal Musiala leidet unter neurologischen Absencen.© IMAGO/Sven Simon/IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON Credit: web.de

Unterschiedliche Einschätzungen zur Genesung

Während Froböse eine kritische Haltung einnimmt, zeigte sich der Neurologe Peter Berlit optimistischer. Berlit, Professor und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), erklärte, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Betroffenen durch Medikamente heilbar seien. Dies gelte grundsätzlich auch für Profifußballer. Er betonte, dass Personen, die medikamentös gut eingestellt sind und keine Anfälle mehr erleiden, voll einsatzfähig sein können. Die Mehrzahl der Patienten müsse jedoch über Jahre, manchmal sogar lebenslang, Medikamente einnehmen, um vor Anfällen geschützt zu sein.

Froböse äußerte zudem Bedenken hinsichtlich der Reaktion gegnerischer Fans und befürchtet, dass diese nicht sensibel, sondern möglicherweise mit Häme auf die Vorfälle reagieren könnten. Er kritisierte den Profifußball generell für den unzureichenden Umgang mit Schwächen und die Angst vor einem sinkenden Marktwert der Spieler. Froböse prognostizierte, dass der Marktwert von Jamal Musiala „hundertprozentig runtergehen“ werde.

Sportwissenschaftler Ingo Froböse
Sportwissenschaftler Ingo Froböse hat eine klare Meinung zum Thema Musiala. (Archivbild)© dpa / Oliver Berg/dpa Credit: web.de

Forderungen nach Transparenz und Unterstützung

Der t-online-Kolumnist Stefan Effenberg forderte den FC Bayern auf, mehr Transparenz bezüglich des Gesundheitszustands von Musiala zu schaffen. Er betonte, dass nach Musialas Instagram-Post noch Fragen offen seien, die nicht spekulativ behandelt werden sollten. Effenberg erwartet, dass der Verein, möglicherweise gemeinsam mit neurologischen Experten, umgehend Informationen bereitstellt, um Unruhe von außen zu vermeiden. Er hob hervor, dass Musiala nun zwei Herausforderungen meistern müsse: den Umgang mit seiner neurologischen Dysfunktion und die damit verbundene mentale Belastung. Effenberg ist jedoch zuversichtlich, dass der FC Bayern Musiala unterstützen und weiterhin fest mit ihm planen wird, wie auch Uli Hoeneß bereits angekündigt hat.

Die öffentliche Bekanntgabe der Erkrankung durch Musiala selbst hat eine Diskussion über den Umgang mit gesundheitlichen Problemen im Profisport angestoßen. Die unterschiedlichen Einschätzungen von Sportwissenschaftlern und Neurologen verdeutlichen die Komplexität der Situation. Die Unterstützung des Vereins und eine transparente Kommunikation werden als entscheidend für die weitere Entwicklung von Musialas Karriere angesehen.

Eine Neurologin erläuterte zudem, dass etwa jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens einen epileptischen Anfall erlebt, was die allgemeine Häufigkeit solcher neurologischen Ereignisse unterstreicht.

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Source: web.de

Sophie Wagner
Sophie Wagner

Sophie Wagner berichtet für Welt Nachrichten über Politik: Bundestag, Regierung und die Entscheidungen, die die Menschen in Deutschland betreffen.

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