Gelsenkirchen: Schalke erkämpft Punkt gegen Bayern, Neuer ausgepfiffen

Hart umkämpftes Unentschieden in Gelsenkirchen
Der FC Schalke 04 hat im ersten Heimspiel nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga ein 0:0-Unentschieden gegen den FC Bayern München erreicht. Das Spiel in der Schalke Arena war von einer intensiven Abwehrleistung der Königsblauen geprägt, die den Favoriten aus München frustrierten. Die Bayern, die ohne Harry Kane und Michael Olise begannen, konnten trotz erhöhten Drucks in der zweiten Halbzeit keine Tore erzielen.
In der 93. Minute sorgte der 19-jährige Luca Vozar für einen letzten Aufreger, als er auf der rechten Außenbahn auf Jonathan Tah zulief, jedoch am Bayern-Verteidiger abprallte. Der Ball ging ins Aus, und das 0:0 blieb bestehen. Die Münchner versuchten noch, den Schiedsrichter von einem zu frühen Abpfiff zu überzeugen, doch die Entscheidung stand fest. Schalke feierte den Punktgewinn wie einen großen Erfolg, während die Bayern enttäuscht das Feld verließen.
Trainer Vincent Kompany hatte sich entschieden, Kane und Olise zunächst zu schonen, da er nach dem Pokalspiel gegen den VfL Osnabrück das Belastungsmaximum erreicht sah. Beide Spieler wurden in der zweiten Halbzeit eingewechselt und brachten mehr Druck, konnten aber die Schalker Defensive um Torwart Loris Karius nicht überwinden. Karius zeigte mehrere starke Paraden, unter anderem gegen Olise und Nathaniel Brown, und fischte einen Distanzschuss von Kane in der 87. Minute aus dem langen Eck.
Die Schalker Mannschaft, angeführt von Spielern wie Soufiane El-Faouzi und Satoshi Tanaka, die unermüdlich die Münchner Kreativspieler störten, sowie den Verteidigern Hasan Kurucay, Nikola Katic und Timo Becker, kämpfte leidenschaftlich. Trainer Miron Muslic hatte seine Mannschaft auf einen harten Kampf eingestellt, um den Verbleib in der höchsten Spielklasse zu sichern, was die Fans mit einer Choreografie unterstrichen: „Nicht der Bessere soll gewinnen, sondern immer Schalke.“

Neuer im Fokus der Schalker Fans
Die Rückkehr von Manuel Neuer an seine alte Wirkungsstätte in Gelsenkirchen war von Pfiffen und spöttischen Gesängen der Schalker Fans begleitet. Bereits beim Betreten des Platzes zum Aufwärmen in der Veltins-Arena waren die Pfiffe aus der Nordkurve unüberhörbar. Die Anhänger skandierten unter anderem „Wir sind Schalker und du nicht.“ Neuer, der in Gelsenkirchen geboren wurde und die Jugendabteilung des FC Schalke durchlief, wechselte 2011 zum FC Bayern, was bei den Schalker Fans großen Unmut hervorrief.
Lothar Matthäus äußerte sich zu den Reaktionen der Fans und meinte, dass sie hinter ihrer Mannschaft stünden, die Vergangenheit jedoch wenig zähle. Er hätte sich dennoch einen anderen Empfang für Neuer gewünscht, insbesondere da es sich möglicherweise um dessen letztes Bundesliga-Jahr handelt. Auch Max Eberl, Sportvorstand des FC Bayern, fand deutliche Worte. Er lobte die Schalke-Fans zu 95 Prozent, kritisierte aber die „Kraftausdrücke“ gegen Neuer. Eberl betonte, die Fans sollten stolz sein, einen so großartigen Spieler in ihrer Knappenschmiede ausgebildet zu haben, der zum Welttorhüter und Weltmeister wurde.
Trotz der Anfeindungen zeigte Neuer eine solide Leistung. Er musste einmal in seiner Rolle als Torwart eingreifen, als er einen Freistoß von Adil Aouchiche nach 35 Minuten aus der Gefahrenzone faustete. Neuer agierte auch als erster Aufbauspieler und versuchte, das Tempo hochzuhalten, um die Zeit der Schmähungen von den Rängen kurz zu halten. Die Gelsenkirchener haben sich bis heute nicht damit versöhnt, dass der „Sohn des Klubs“ einst nach München wechselte.

Historische Verbindung und Neuers Bilanz
Für Manuel Neuer war die Partie in Gelsenkirchen eine besondere. Es war das erste Heimspiel der Königsblauen nach ihrer Rückkehr ins Oberhaus. Neuer spielte bereits für beide Vereine. Beim letzten Liga-Sieg der Königsblauen zu Hause gegen die Bayern, der im Dezember 2010 stattfand, stand Neuer noch im Schalker Tor. Anschließend gab es für ihn noch einen Pflichtspielsieg im Pokal gegen den Rekordmeister im März 2011.
Im Sommer nach diesen Spielen wechselte der in Gelsenkirchen-Buer geborene Torhüter nach 203 Pflichtspielen für Schalke zum FC Bayern. Dort hob er das Torwartspiel auf eine neue Dimension. Nach seiner Pause in der ersten DFB-Pokalrunde in Osnabrück kehrte der Weltmeister nun in die Bayern-Startelf zurück. Es wird vermutet, dass dies Neuers letztes Spiel auf Schalke gewesen sein könnte, da sein Vertrag in München am Ende seiner 21. Bundesliga-Saison ausläuft und er selbst Andeutungen über ein mögliches Karriereende im Sommer gemacht hat.
Neuers Bilanz gegen seinen Ex-Klub ist beeindruckend: In 20 Pflichtspielen gegen Schalke verzeichnete er 17 Siege und keine Niederlage, wobei er in 15 Partien ohne Gegentor blieb. Sollten die beiden Vereine nicht erneut im DFB-Pokal aufeinandertreffen, wäre dies Neuers letzte Partie bei seinem Jugendklub, bei dem er mit fünf Jahren begann und 57 Einsätze für die U19 und Schalke II absolvierte. Bayerns Sportdirektor Christoph Freund betonte die besondere Bindung Neuers zu Schalke, wo er als junger Bursche reifte und Profi wurde, bevor er zu Bayern München wechselte.
Ausblick für die Bayern und Schalke
Nach dem zweiten Spieltag belegt der FC Bayern den vierten Tabellenplatz und ist damit Jäger hinter dem SC Freiburg, Borussia Dortmund und der SV Elversberg. Am kommenden Sonntag steht das direkte Duell mit der SV Elversberg in München an. Die Bayern agierten in Gelsenkirchen ungewohnt fahrig und mussten zudem auf Fan-Support verzichten, da es vor dem Spiel zu einer Schlägerei und mehreren Festnahmen durch die Polizei gekommen sein soll.
Für Schalke war der Punktgewinn ein wichtiger Schritt nach der 0:3-Niederlage beim FC Augsburg am vergangenen Wochenende. Diese Niederlage hatte dem Klub verdeutlicht, dass er sich in der Bundesliga neu beweisen muss. Trainer Miron Muslic betonte, dass Schalke in den nächsten zehn Monaten alles geben muss, um den gerade erst nach mehreren Krisenjahren erreichten Platz in der Liga zu verteidigen. Die Mannschaft zeigte gegen Bayern, dass sie bereit ist, diesen Kampf anzunehmen und mit Leidenschaft zu agieren.
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Source: n-tv.de