Mannheim: Pokal-Derby eskaliert, 30 Polizisten verletzt

Das DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern ist am Donnerstagabend von tumultartigen Szenen überschattet worden. Die Erstrundenpartie, die Kaiserslautern mit 1:0 nach Verlängerung gewann, führte zu einem Polizeieinsatz, bei dem mindestens 30 Polizisten verletzt wurden.
Die Begegnung im Carl-Benz-Stadion war als Hochrisikospiel eingestuft worden. Bereits kurz nach Spielbeginn unterbrach Schiedsrichter Robert Schröder die Partie aufgrund von Pyrotechnik aus dem Gästeblock. Später wurden auch von Heimfans Feuerwerkskörper gezündet und Gegenstände in Richtung des FCK-Torwarts Julian Krahl geworfen.
Eskalation und Spielunterbrechung
Nach einer Rudelbildung der Spieler kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit eskalierte die Situation weiter. FCK-Fans warfen Feuerwerkskörper auf das Spielfeld, und Raketen flogen aus dem Lautern-Block auf die Haupttribüne. Mannheims Sportdirektor Matthias Schober sah darin den Auslöser für die folgende Spielunterbrechung. Er kritisierte zudem Kaiserslauterns Kapitän Marlon Ritter für provokatives Verhalten, obwohl er betonte, dass dies keine Entschuldigung für das Werfen von Bechern sei. Ritter war kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit in eine Rudelbildung mit mehreren Mannheimer Spielern involviert, was zu gelben Karten für drei Spieler führte.
Einsatzkräfte der Polizei, darunter auch berittene Polizisten, mussten eingreifen, um die Lage zu kontrollieren, als Mannheimer Fans versuchten, den Rasen zu stürmen. Das Spiel war daraufhin für etwa eine halbe Stunde unterbrochen. Schiedsrichter Robert Schröder erklärte, dass die Partie kurz vor dem Abbruch stand, da Raketen auf das Spielfeld und die Tribünen flogen. Er stimmte sich mit der Polizei und den Sicherheitskräften ab, bevor das Spiel mit etwa 20-minütiger Verspätung fortgesetzt wurde.

Kaiserslauterns Geschäftsführer Thomas Hengen lobte das schnelle Eingreifen der Polizei und das besonnene Handeln des Schiedsrichterteams, die seiner Meinung nach einen Spielabbruch verhinderten. Er betonte, dass ein Derby nicht ausarten dürfe, da dies dem Fußball schade. Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber hingegen hätte sich einen Abbruch vorstellen können, besonders nachdem Raketen in den Familienblock geschossen wurden.
Reaktionen und Konsequenzen
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel verurteilte die Vorkommnisse scharf. Er bezeichnete diejenigen, die Fußball für Gewaltexzesse missbrauchen, andere Fans in Gefahr bringen und Sicherheitskräfte verletzen, nicht als Fans, sondern als Kriminelle. Hagel lobte die Professionalität der Polizei in Mannheim und sicherte den Einsatzkräften seine volle Rückendeckung zu. Er drückte seine Genesungswünsche an die verletzten Polizistinnen und Polizisten aus.

Beiden Vereinen drohen nun empfindliche Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Schiedsrichter Schröder kündigte an, dass der Sonderbericht entsprechend lang sein werde. Die Feindschaft zwischen den Fan-Lagern hat Tradition und reicht bis in die frühen 1980er Jahre zurück. Trotz der Eskalationen auf den Rängen, sah Kaiserslauterns Geschäftsführer Hengen das Spiel auf dem Platz als fair an.
Mannheims Kapitän Lukas Klünter hatte eine andere Wahrnehmung der Stimmung im Stadion und sprach von einem „supergeilen“ Abend während des Spiels. Er betonte, dass alles andere analysiert werden müsse. Der entscheidende Treffer für Kaiserslautern fiel in der 120. Minute durch Ibrahim Kanaté, kurz vor einem möglichen Elfmeterschießen.

Die Polizei in Mannheim hatte den Einsatz rund um das Carl-Benz-Stadion bis zur Eskalation nach der regulären Spielzeit als „positiv“ und „ohne nennenswerte Zwischenfälle“ bewertet.
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Source: bild.de