Harry Kane äußert sich zu Jamal Musialas Zusammenbrüchen

Harry Kane hat sich erstmals zu den jüngsten Vorfällen um seinen Teamkollegen Jamal Musiala geäußert. Musiala, ein Spieler des FC Bayern München, erlitt innerhalb von drei Tagen zwei Zusammenbrüche in Testspielen gegen RB Leipzig und den 1. FC Heidenheim. Kane betonte am Mittwoch anlässlich seiner Auszeichnung mit dem „Goldenen Schuh“, dass er Musiala „zu 100 Prozent unterstützen“ werde.
Die Situation um Musiala hat auch seine Mitspieler nicht unberührt gelassen. Kane hob hervor, dass es wichtig sei, Musiala Raum zu geben und seine Art des Umgangs mit der Situation zu respektieren. Er erwähnte auch die harte Arbeit, die Musiala seit seiner Verletzung im vergangenen Jahr investiert hat, um wieder auf höchstem Niveau zu spielen.
Details zu Musialas Zustand
Musiala selbst erklärte in einem Instagram-Post, dass es sich bei seiner Erkrankung um „kurz auftretende, aber gut behandelbaren Absencen, welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind“ handelt. Berichten zufolge leidet Musiala bereits seit einigen Monaten an diesem Syndrom, was auch während der Weltmeisterschaft der Fall gewesen sein soll. Seine Teamkollegen waren demnach über seinen Zustand informiert.
Ein solcher Zusammenbruch, bei dem der 23-jährige Stürmer auf dem Spielfeld zusammensackte, führte dazu, dass er nach kurzer Behandlung in medizinischer Begleitung den Platz verlassen musste. Die neurologische Dysfunktion wird als Nervenstörung beschrieben.
Andreas Schulze-Bonhage, Leiter des Epilepsiezentrums der Uniklinik Freiburg, beschreibt Absencen als eine Form epileptischer Anfälle, bei denen das Bewusstsein kurzzeitig gestört ist. Dabei treten relativ wenige andere Symptome auf, obwohl der Muskeltonus leicht sinken kann, was zum Zusammensinken führen kann. Diese äußerlich wahrnehmbaren Symptome wurden auch bei Musiala beobachtet.
Im Gehirn kommt es bei solchen Anfällen zu einer unnormalen Entladung von Nervenzellen. Normalerweise arbeiten Milliarden von Nervenzellen einzeln, um sensorische Informationen zu verarbeiten oder die Motorik zu steuern. Bei einer epileptischen Entladung entladen sich diese Nervenzellen jedoch in einem nicht normalen Rhythmus zusammen. Dies kann zu einer Art Verkrampfung im ganzen Körper und zu einer vorübergehenden Trübung oder einem Verlust des Bewusstseins führen.
Behandlung und Perspektiven
Patienten mit Absencen müssen regelmäßig ihre Gehirnströme mittels EEG messen lassen, um die Medikation korrekt einzustellen. Schulze-Bonhage erklärte, dass in etwa „85 Prozent der Patienten durch Medikamente vollständige Anfallsfreiheit erzielen“ können. Dies bedeutet, dass diese Patienten über viele Jahre hinweg keine Absencen mehr erleben. Selbst wenn ein vollständiger Erfolg nicht möglich ist, können die Anfälle in den meisten Fällen stark reduziert werden.
Absencen können in jedem Lebensalter auftreten, obwohl die häufigsten Manifestationen im frühen Kindesalter und im hohen Lebensalter zu finden sind. Es wäre eher untypisch, wenn eine Epilepsie im engeren Sinne erst im Alter von 23 Jahren neu auftritt. Es ist daher möglich, dass Musiala bereits früher eine solche Epilepsie hatte, die jedoch gut behandelt wurde und nicht öffentlich bekannt war. Möglicherweise muss die Behandlung nun angepasst werden, um wieder Anfallsfreiheit zu erreichen.
Trotz der Erkrankung ist Schulze-Bonhage überzeugt, dass die Hirnfunktion zwischen den Anfällen völlig normal ist. Dies bedeutet, dass Betroffene, einschließlich Spitzensportler, ihrem Beruf normal nachgehen können. Musiala, der seit 2020 beim FC Bayern spielt und als herausragendes Talent gilt, kann demnach weiterhin als Topspieler agieren. Schulze-Bonhage verwies auf andere Spitzensportler, wie beispielsweise Ronaldo, der ebenfalls an Epilepsie litt, aber dennoch ein großer Star wurde. Epilepsie gilt heute nicht mehr als Tabu und ist auch im Profifußball gut behandelbar.
Auch Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen sprach über Musialas aktuelle Verfassung und stellte fest, dass Musiala seine Situation „ganz klar“ angeht und nicht am Boden zerstört wirkt.
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Source: bild.de