Birmingham: Deutsche Sprintstaffel holt Silber ohne Owen Ansah

Ansahs Erfolge und die Dopingaffäre
Der deutsche Sprinter Owen Ansah hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham beeindruckende Leistungen gezeigt. Er gewann die Goldmedaille über 200 Meter und sicherte sich Bronze über 100 Meter. Ansah ist der erste Deutsche, der die 200 Meter unter 20 Sekunden lief. Zudem verbesserte er den deutschen 100-Meter-Rekord auf 9,98 Sekunden. Der 25-jährige Athlet, der in Hamburg lebt und in Mannheim trainiert, hatte zuvor in Ludwigshafen gewohnt. Seine erklärte Absicht, Deutschland wieder auf die Sprint-Landkarte zu bringen, scheint ihm gelungen zu sein.
Trotz dieser Erfolge wird Ansahs Karriere von einem Dopingwirbel überschattet. Die Nationale Anti-Doping-Agentur fordert eine Sperre von vier Jahren gegen ihn. Der Vorwurf lautet, Ansah habe am 9. Juli eine unangekündigte Dopingkontrolle verweigert, als er sich für eine Reise nach Monaco entschied. Eine verweigerte Kontrolle kann im Kampf gegen Doping wie ein positiver Test gewertet werden. Ansah und sein Anwalt bestreiten die Darstellung und wollen gegen die Entscheidung vorgehen.
Die drohende Sperre bedeutet, dass jeder seiner Erfolge möglicherweise annulliert werden könnte. Die Situation wird als tragisch beschrieben, da Ansah gesperrt werden könnte, ohne dass ihm die Einnahme verbotener Substanzen nachgewiesen wurde. Auch wiederholte negative Tests können die nicht abgegebene Probe nicht aufwiegen. Es bleibt die Frage, ob es sich um Unachtsamkeit oder Unwissenheit handelte.
Leistungen der deutschen Sprintstaffel
Die deutsche 4×100-Meter-Staffel der Männer hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham die Silbermedaille gewonnen. Das Team, bestehend aus Kevin Kranz, Marvin Schulte, Heiko Gussmann und Lucas Ansah-Peprah, erreichte eine Zeit von 38,64 Sekunden. Sie mussten sich lediglich den favorisierten Briten geschlagen geben, die in 38,45 Sekunden Gold holten. Bronze ging an Belgien mit einer Zeit von 38,70 Sekunden.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte vorsorglich entschieden, Owen Ansah nicht für die Staffel aufzustellen, um das Risiko einer nachträglichen Disqualifikation zu vermeiden. Ansah hatte zuvor angekündigt, als „Edelzuschauer“ seine Teamkollegen zu unterstützen, was er auch tat. Eine mögliche Sperre für Ansah könnte die Aberkennung aller seiner Ergebnisse und Erfolge seit Juli zur Folge haben, was auch die Ergebnisse einer Staffel mit seiner Beteiligung umfassen würde.
Vor zwei Jahren hatte die deutsche Männerstaffel in Rom die Bronzemedaille gewonnen. Bei den Frauen scheiterte der Traum von einer Medaille bereits im Vorlauf. Ein missglückter Wechsel von Sophia Junk auf Schlussläuferin Gina Lückenkemper führte dazu, dass das DLV-Quartett das Ziel nicht erreichte. Im Finale der Frauen dominierte Großbritannien vor der Schweiz und Polen.
Ansahs Umgang mit der Situation
Trotz des Dopingwirbels zeigte sich Owen Ansah während der Europameisterschaft professionell. Er wich den Fragen nicht aus, auch wenn er sich verständlicherweise nicht zum laufenden Verfahren äußerte. Seine Leistungen auf der Bahn waren über jeden Zweifel erhaben, was darauf hindeutet, dass er entweder in sich ruht und die äußeren Umstände ausblenden kann, oder fest an einen positiven Ausgang der Angelegenheit glaubt. Möglicherweise ist es auch eine Kombination aus beidem.
Die Situation um Ansah ist von einer ständigen Unsicherheit geprägt, ob seine Erfolge Bestand haben werden. Die Belastung durch die drohende Sperre ist immens, doch Ansah hat sich nicht davon unterkriegen lassen. Er rannte weiter gegen die Zweifel und Sorgen an. Die menschliche Seite der Situation wird als Tragödie empfunden, da er möglicherweise ohne nachgewiesenes Doping gesperrt wird. Die deutsche Sprintstaffel konnte jedoch auch ohne ihn eine Silbermedaille gewinnen.
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Source: rheinpfalz.de